Potsdam ist eine Stadt, die eine bedeutende historische Vergangenheit in kongenialer Harmonie mit der Gegenwart erlebbar macht. Die durch Potsdam fließende Havel und die umliegenden und angrenzenden Seen erwecken den Eindruck einer großen Insel. Hinzu kommt der außerordentliche Reichtum großräumiger und idyllischer Gärten und Parkanlagen. Doch Potsdam birgt ungeachtet dieser aktuellen Lebensqualität auch heute noch Geheimnisse, die uns tief im Herzen berühren.
Autor: Michael Bork / Fotos: Michael & Beata Bork
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Potsdam - Sanssouci (von französisch sans souci ‚ohne Sorge‘) ist ein Ensemble von Schlössern und Gärten in der ehemaligen Residenzstadt Potsdam. Ab 1745 wurden im Auftrag Friedrichs II. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, die Neuen Kammern und das Neue Palais im Stil des Rokokos erbaut. Sanssouci diente von 1747 bis 1918 als Sommersitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser. Das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verwaltete Ensemble gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe. Wegen seiner kunsthistorischen Bedeutung wird Sanssouci auch preußisches Versailles genannt.

In diesem Kontext begegnet uns immer wieder der Name jenes Herrschers, der im Volksmund als der „Alte Fritz“ seinen Platz in den Geschichtsbüchern fand. Die Rede ist von Friedrich II. Sein unstillbares Verlangen nach tiefer Erkenntnis war für ihn Anlass 1738 dem Bund der Freimaurer beizutreten.
Mit seiner Inthronisierung 1740 als König von Preußen gewann die Freimaurerei einen zunehmenden Einfluss im deutschen Adel. Friedrich II. baute eigene Logen auf und übernahm das Protektorat über die Logen in seinen Provinzen. 
1786 bestieg Friedrich Wilhelm II. als Sohn des Freimaurers Prinz August Wilhelm den Thron. Drei seiner Onkel, alle Brüder von Friedrich II., waren gleichfalls einflussreiche Freimaurer: Prinz August Wilhelm (1722 – 1758), Prinz Heinrich (1726 – 1802) und Prinz August Ferdinand (1730 – 1813).
1781 wurde Friedrich Wilhelm II. dann in die Mysterien der Rosenkreuzer eingeweiht.

„Narziss-Brunnen“ (Ausschnittsvergrößerung) von Hubert Netzer (1865-1939). Im Neuen Garten liegt das Schloss Cecilienhof. Hier finden wir die Bronze-Skulptur des Narziss. In der griechischen Mythologie war er der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos und der Leiriope, der die Liebe anderer zurückwies und sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.

Streifzug durch den Neuen Garten mit Blick auf das Grüne Haus. Hier wohnte und arbeitete bis zum Ankauf des Geländes der Hof- und Kabinettsbildhauer Heinrich Friedrich Kambly (1750 - 1801).
Das Grüne Haus gehört, so wie auch der Neue Garten, zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die mit seinem Titel einhergehende Macht und die finanziellen Mittel ermöglichten es Friedrich Wilhelm II. im Großraum Potsdam Natur und Architektur in diesem Sinne eine Ausprägung zu geben. Der Neue Garten ist eine seiner großen Hinterlassenschaften.
Der Neue Garten weist zahlreiche Gebäude, Pflanzungen und Wege auf, die nicht nur auf die rituellen Arbeiten und Symbole der Rosenkreuzer zu jener Zeit hinweisen, sondern die zudem als Stationen eines Initiationsweges betrachtet werden können. In dieser großzügig gestalteten Parkanlage erschließt sich dem Betrachter eine Landschaft, in der auch heute noch viele Plätze und Gebäude den Geist der Rosenkreuzer kraftvoll widerspiegeln.
Der Neue Garten ist reich an ungewöhnlichen und zum großen Teil sehr alten Bäumen. Die Bäume aus dem Neuen Garten sind wahrlich eine eigene Doku wert. Diesbezüglich gibt es aber bereits einige gute Veröffentlichungen. 
Dieses Prachtexemplar beispielsweise ist im Bereich des Marmorpalais zu finden. Es wirkt ein wenig wie ein Riese, der sich als Wächter um das Wohl des Marmorpalais kümmert. Dass ein solcher Exot im Neuen Garten angepflanzt wurde, passt zur Atmosphäre des Neuen Gartens, die den aufmerksamen und bewussten Betrachter in ihren Bann zieht.
Bei den Botanikern ist dieser "Wächter" als "Japanischer Schnurbaum" bekannt (Styphnolobium japonicum). Er wird auch als Honigbaum, Schnurbaum, Perlschnurbaum, Japanischer Perlschnurbaum, Japanischer Pagodenbaum oder nach seinen säuerlich schmeckenden Samen Sauerschotenbaum genannt. Details zu dieser Baumgattung siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Japanischer_Schnurbaum
Die MUSCHELGROTTE.
Wenn man vom nördlich gelegenen Parkplatz den Neuen Garten betritt, trifft man am Südufer des Jungfernsees auf einen überwachsenen Hügel und ein Bauwerk, das auf den ersten Blick mit seinen Tuff- und Raseneisensteinen skurril wirkt, weil es in der großräumigen Nachbarschaft zahlreicher Schösser und Lustbauten nicht wirklich in die Landschaft zu passen scheint.
Dem ersten äußeren Eindruck zum Trotz verbergen die Mauern jedoch ein historisches Juwel, denn die Muschelgrotte ist eine der letzten erhaltenen, eigenständigen Grottenarchitekturen. Und was aus der Sicht der Rosenkreuzerbewegung noch viel wichtiger ist: Der Überlieferung nach, diente diese abgeschiedene, halb unterirdische Grotte als Logentempel.

Im Bestreben nach einer alchemistischen Transfiguration, dem Prozess, in dem die Rose des Herzens wieder ihren ursprünglichen Platz in der göttlichen Ordnung einnehmen kann, versammelten sich die Rosenkreuzer an ihren heiligen Stätten, um sich auf die wahre Bestimmung des Menschen auszurichten.

In ihrer ursprünglichen Pracht erblickten die Besucher der Muschelgrotte hinter den unscheinbaren Mauern eine aufwendige und farbige Dekoration der Innenräume. Geschmückt waren die Wände des zentralen Saals und zweier flankierenden Kabinette mit großen Spiegeln, farbigem Glas sowie unterschiedlichster Steine und Muscheln. Die Decken waren reich bemalt und die Böden mit Marmor ausgelegt.
Der heutige Anblick ist da eher ernüchternd. Aber auch wenn aktuell die Innenräume leer und Restaurierungsarbeiten im Gange sind, erahnt der heutige Besucher dennoch die Schönheit und die Atmosphäre dieses einstigen Heiligtums.
Die EREMITAGE. 
Wenn man vom Muschelhaus weiter am Ufer des Jungfernsees weiterwandert, erreicht man nach wenigen hundert Metern an der Nordost-Spitze des Neuen Gartens eine unscheinbare Holzhütte. Der erste Gedanke: Hier lagern Forstarbeiter ihre Arbeitsgeräte. Doch weit gefehlt, denn diese nur scheinbare Waldarbeiterhütte hat als „Eremitage“ eine wechselhafte Geschichte zu erzählen.
Die Einsiedelei am Potsdamer Jungfernsee wurde 1796 von Friedrich Wilhelm II. in Auftrag gegeben.
Als Baumeister werden Carl Gotthard Langhans und Hofzimmerermeister Johann Gottlob David Brendel (1753–1803) genannt. Bei der Eremitage handelt es sich um einen kleinen Pavillon aus Holz, ohne Fenster, mit einer Fläche von ca. 7,3 × 5,7 Metern.
Licht fiel nur durch eine Öffnung im Reetdach. Verkleidet war die Fassade vollständig mit Eichenborke.
Ganz im Gegensatz zum naturbelassenen Äußeren war die Eremitage innwendig aufwendig gestaltet. Die Historiker sprechen davon, dass der Fußboden mit schwarzem Brabanter und weißem italienischem Marmor ausgelegt war. Eine Weltkarte mit Marmorintarsien war in der Mitte des Raumes in den Boden eingelassen.

Heute ist die Eremitage vollständig verschlossen
und erlaubt keinen Blick in den Innenraum.

Die Wände waren holzvertäfelt und zeigten Abbildungen von astronomischen Messgeräten. Das Deckengewölbe war mit Personifizierungen der acht Himmelskörper bemalt.
Weiterhin schmückten wohl Gipskopien antiker Statuen der „Lykomedesgruppe“ von Constantin Philipp Georg Sartori die vier Ecken des Raumes.
Die Möblierung hingegen war sparsam ausgelegt: Lediglich zwei Tische und zwei mit blauer Seide überzogene Sofas boten den Besuchern der Eremitage Platz.
In Rosenkreuzer-Kreisen war die eigentliche Bedeutung der Eremitage, die eines „heiligen Tempels des Lichts“. Der Innenraum war oval gehalten und in der Polarität der im Boden eingelassenen Weltkarte und den in der Kuppel gezeigten Darstellungen der Sonne, der Planeten und der Tierkreiszeichen, konnte sich der nach wahrer Erkenntnis Suchende inmitten dieses „Welten-Ei“ als Wesenseins mit dem Universum erfahren.
Die Beschreibung im Konjunktiv weist darauf hin, dass dies alles der fernen Vergangenheit angehört.
Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Einsiedelei infolge des Mauerbaus 1964 komplett abgetragen wurde, verlief doch die Grenze zu Westberlin durch den Jungfernsee nur wenige Meter von der Eremitage entfernt. Teile der Innenausstattung konnten gesichert und von der Schlösserverwaltung eingelagert werden, nach dem Mauerfall wurde Mitte der 90er Jahre der erhaltene Sockel restauriert und die Eremitage wurde 2007 neu errichtet, jedoch ohne einen Innenausbau.
Die PYRAMIDE im Neuen Garten von Potsdam befindet sich in Sichtweite des Marmorpalais (das wir im letzten Kapitel betrachten) und wurde in den Jahren 1791 bis 1792 errichtet. Die offizielle Leseart lautet: „Sie diente als Eiskeller zum Frischhalten von Lebensmitteln. Im Winter wurde dem Heiligen See Eis entnommen und in der untersten Etage des Kellers der Pyramide gelagert, welcher etwa 5 Meter in den Boden geht.“​​​​​​​​​​​​​​
Wenn aber nur ein überdimensionaler „Kühlschrank“ benötigt wurde, dann hätte es sicherlich andere und weitaus weniger anspruchsvolle architektonische Konzepte gegeben, dies zu realisieren.
Pyramiden finden wir nicht nur in Ägypten. Es handelt sich um ein weltweites Mysterium. Auch wenn wir in diesem Fall den Auftraggeber für den Bau der Pyramide im Neuen Garten kennen, lässt diese dennoch großen Spielraum für Spekulation und Interpretation.
Heute wissen wir, dass die ursprünglich gebaute Pyramide weitaus mehr Verzierungen aufwies. Leider wurde sie 1833, in der Regierungszeit von Friedrich Wilhelm III., durch den Baumeister Albert Dietrich Schadow umgebaut. Dabei wurden von dem ursprünglichen Bau nur noch einzelne Werksteine mit Hieroglyphen weiterverwendet.​​​​​​​
Aber auch das was von der Pyramide erhalten blieb, wirft so manches Rätsel auf. So sind auch heute noch über dem Eingang der Pyramide die alchemistischen Symbole der damals bekannten Himmelskörper abgebildet:
Von links nach rechts: Merkur (griech. Hermes, der zurückgeht auf Thot, den ägyptischen Gott der Weisheit, Wissenschaft und Magie), dann die Symbole Jupiter, Venus, Mond, Mars, Erde und Saturn.
Rings um die Pyramide sind in den Seitenwänden des Sockels ägyptische Hieroglyphen eingelassen. Die Hieroglyphen sollen in einem sinnvollen Kontext zueinanderstehen. Dies ist umso faszinierender, als dass Hieroglyphen erst einige Jahre nach dem Tod des Königs überhaupt entschlüsselt werden konnten …
Die Pyramide weicht allein auf Grund ihrer Bauform signifikant von den anderen Gebäuden im Neuen Garten ab. Hinzu kommt, dass über alle anderen Bauten und Skulpturen viele Informationen abrufbar sind. Selbst wenn diese nicht die ursprüngliche Absicht ihrer Funktion als Freimaurer- und Rosenkreuzerstätten beschreiben. Nur über der Pyramide scheint eine Mauer des Schweigens zu liegen. Recherchen führen zu keinen nennenswerten Ergebnissen. Wenn wir aber davon ausgehen, dass eine der ihr zugeschriebenen Bedeutungen für Tod und ewiges Leben steht, dann sei die Vermutung erlaubt, dass es sich bei dem Neuen Garten insgesamt um einen „Garten der Erneuerung der Seele“ handeln könnte. 
Dem Autor sei die persönliche Anmerkung gestattet, auf die empfundene serene Stille und Reinheit des Neuen Gartens hinzuweisen. Doch dies kann jeder Interessierte nur vor Ort selbst erfahren.
Das MARMORPALAIS.
Wenn wir entlang des Ufers vom Heiligen See uns dem südlichen Ende des Neuen Gartens nähern, stoßen wir auf das idyllisch auf einer Terrassenanlage gelegene Marmorpalais. König Friedrich Wilhelm II. ließ das mit schlesischem Marmor verkleidete Bauwerk als Sommerresidenz in den Jahren 1787 - 1793 erbauen.
Sein Architekt Carl von Gontard schuf damit das erste und einzige preußische Königsschloss im Stil des Frühklassizismus. Das ganz aus verschiedenfarbigem Marmor gestaltete Vestibül, der unmittelbar am Wasser gelegene Grottensaal sowie der eindrucksvolle Konzertsaal bilden die Höhepunkte der zum Großteil noch im Original erhaltenen frühklassizistischen Räume des Schlosses.
Das Marmorpalais war der Rückzugsort für den Herrscher. Denn der musisch veranlagte und dem Gedankengut der Rosenkreuzer verbundenen König brauchte diesen privaten Bereich, um sich über seine rein weltlichen Aufgaben hinaus, seiner Suche nach Erkenntnis zu widmen. So finden wir zwar zuhauf Beschreibungen zum und über das Mamorpalais. Was aber in den allermeisten Schilderungen über das Marmorpalais fehlt, ist eben dieser Hinweis auf seine Freimaurer- und Rosenkreuzer-Historie. So war im Marmorpalais einst auch eine alchemistische Bibliothek untergebracht.
Die ehemalige Schloßküche vom Marmorpalais befindet sich im Neuen Garten, am westlichen Uferweg des Heiligen Sees. Sie wurde in den Jahren 1788 - 1790 von Carl Gotthard Langhans als eine künstliche Tempelruine erbaut und mit korinthischen Säulen versehen. Ein unterirdischer Gang führte hinüber zum Marmorpalais, zu dem im Erdgeschoss liegenden Grottensaal.
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